Das Oral History-Projekt Dersim 1938 (von Karen Jungblut)

Seit seiner Gründung im Jahr 1994 hat das Institut der Shoah-Stiftung der Universität Südka­lifornien sich der Aufbewahrung und Veröffentlichung der Berichte der überlebenden Opfer und anderer Zeugen gewidmet. Die als Ergebnis dieser Bemühungen entstehenden archivari­schen und pädagogischen Werke stellen eine dauerhafte Verbindung zwischen den sehr viel­fältigen Zeugenberichten und Zeugenerfahrungen dar, und was über die Opfer des Holo­caust in Erfahrung gebracht werden kann, bietet der Ausbildung zukünftiger Generationen von Akademikern, Lehrern und Schülern eine außergewöhnliche Gelegenheit.
In einer Ära, in der sich die Bildung auf eine immer fortschrittlichere Technologie stützt, ha­ben wir etwa 52000 Stimmen aus 56 Ländern in 32 Sprachen gesammelt und daraus zu Bil­dungszwecken visuelle geschichtliche Zeugnisse erstellt, um Intoleranz, Fanatismus und das daraus resultierende Leid künftig zu verhindern. Wir hoffen, dass wir diese unsere grundlegende Mission erfüllen können und sie fortführen werden.

Da ich persönlich Zeuge der Verwendung von Arbeiten der Oral History in Ausbildung und Forschung in den letzten fünfzehn Jahren gewesen bin, kenne ich die außergewöhnliche Bedeutung der Aussagen von historischen Zeugen sehr gut. Aus diesem Grunde unterstütze ich das Oral History-Projekt Dersim 1938 von ganzem Herzen. Es ist dringend notwendig, die Aussagen der überlebenden Opfer des Dersim-Massakers - welches der Gegenstand dieses Projektes ist – und der anderen Zeugen zügig, fehlerfrei und sorgfältig aufzuzeichnen.
Ich habe keinerlei Zweifel daran, dass dieses neue Archiv zukünftig für eine lange Zeit eine sehr wertvolle Quelle darstellen wird.

Mit freundlichen Grüßen

Karen Jungblut
Direktorin der Forschungs- und Dokumentationsabteilung
USC (University of South California), Shoah-Stiftung,
Institut für Visuelle Geschichtsschrei­bung und Ausbildung

Was bedeutet Tertele?

Die noch lebenden Überlebenden der Massaker in Dersim bezeichnen die Vorkommnisse von 1938 mit ‚Tertele’, den Tag, an dem die Welt unterging. Das Wort ‚Tertele’ ist mittlerweile in der Gesellschaft Dersims Teil des generationsübergreifenden Gedächtnisses geworden, das mittlerweile im Zusammenhang mit dem Genozid in Dersim gebräuchlich ist.