Aliyê Çê Tikmey

 Aliyê Çê Tikmey („Ali aus dem Hause der Tikmes“), geb. 1927 in Tevnası (Dersim)

Sein Vater wurde bei einem Schusswechsel getötet. Er wurde Augenzeuge der Massaker von Marçik, Qıl und Tevnası. Von seiner Familie wurden zwölf Personen getötet; er und sein älterer Bruder haben überlebt. Er selbst wurde nach Samsun, seine Bruder nach Sinop zwangsumgesiedelt. Sie konnten sich nach zehn Jahren wiedersehen.
„Dersim ist nicht irgendetwas, was man zur Sprache bringen kann... In Tewnasi sind um die 150 bis 200 Menschen getötet worden. Die Knochen befinden sind noch dort, sollte festgestellt werden.“

Besi Uluengin

Besi Uluengin, geb. 1932 in Dersim

Juli 1938 wurde ihre ganze Familie getötet – nur sie und ihre ältere Schwester haben überlebt. Ein Offizier namens Memed Ali hat sie und ihre Schwester mit sich genommen (verschleppt).  Sie lebt in Samsun und ist nie mehr nach Dersim zurückgekehrt. Im Jahr 2008 wurde sie von FDG-Generalsekretär Mehmet Gülmez gefunden und im Rahmen des Oral History-Projekts interviewt.

Fata Hesenê Khali

Fata Hesenê Khali, geb. 1923 in Fındıqen (Dersim)

„Man hat die Männer gesammelt, irgendwo hingebracht, wir wissen nicht, wohin sie gebracht worden sind. Die Frauen wurden auch zusammengeholt und nach Taptike gebracht. Mit der Frau von Memê Temır und anderen Frauen sind wir zum Ort des Massenmordes (Hopık) gegangen, um nachzusehen, wer getötet worden war und wer noch lebte. Unter den Toten waren ihr Mann und ihre Söhne und noch weitere Verwandte. Unter den Toten befanden sich auch schwangere Frauen, Kinder, Eltern. Süleyman Ağa und seine Frau sind unter den Leichen am Leben geblieben.“

Agop Demir

Agop Demir, geb. im Jahr 1926 in Merxo (Dersim)

Agop Demir ist Dersim-Armenier; seine Familie flüchtete 1895 nach Dersim. Er hat 1938 Dersim-Tertele miterlebt. Er wurde für neun Jahre in den Westen der Türkei in die Verbannung geschickt. Im Jahr 1947 wanderte er von Dersim über Istanbul nach Paris aus, wo er heute noch lebt. Das Interview mit Agop Demir war das erste Interview des „Dersim 1937-38 Sözlü Tarih Projesi“

Haydar Dede

Haydar Dede, geb. in Yozgat

Haydar Dede leistete 1938 seinen Militärdienst in Dersim ab, obwohl er selber ein Alevit aus Yozgat war. Seine Enkelkinder haben Kontakt mit den Projektmitarbeitern aufgenommen. Dadurch kam dieses dreieinhalbstündige Interview zustande.

Haydar Dede präsentierte seinen Nachbarn über die Mitarbeiter des Projektes folgende Aussage: „Wisst Ihr, wer sie sind? Die sind aus Dersim, wo der türkische Staat sie getötet hat, weil sie den Armeniern geholfen haben.“

Interview mit Süleyman Cevahir

Süleyman Cevahir gehört zu einer der wichtigsten geistlichen Trägerfamilien in Dersim („Baba Mansur Ocağı/ Ocak”, etwa einem Kloster für Derwische vergleichbar). Bei den Massakern im Jahre 1938 wurden zwei seiner Onkel mitgenommen und getötet. Die heiligen Häuser der Baba Mansur wurden überfallen und die Mitglieder vielen Beleidigungen und Demütigungen ausgesetzt.

Interview mit Hemedê Seydê Baki

Als im Juli 1938 die Soldaten das Dorf überfielen, versteckte seine Mutter ihren Sohn in einer Steinhöhle. Aus dieser Höhle heraus beobachtete der siebenjährige Junge, wie der Mutter beide Brüste abgeschnitten und seinem Onkel der Kopf vom Rumpf getrennt wurde.

Ihsan Sabri Çagliyangil erzählt von den Hinrichtungen führender Persönlichkeiten

Der langjährige ehemalige Außenminister der Türkei Ihsan Sabri Çagliyangil, der von Ankara als Sonderbeauftragte für die Durchführung der Hinrichtungen einiger führender Persölichkeiten Dersims (Sey Rıza und seiner Freunde) im November 1937 nach Elazig (Xarpêt) entsandt wurde, erzählt in seinen Memoiren folgendes:

Was bedeutet Tertele?

Die noch lebenden Überlebenden der Massaker in Dersim bezeichnen die Vorkommnisse von 1938 mit ‚Tertele’, den Tag, an dem die Welt unterging. Das Wort ‚Tertele’ ist mittlerweile in der Gesellschaft Dersims Teil des generationsübergreifenden Gedächtnisses geworden, das mittlerweile im Zusammenhang mit dem Genozid in Dersim gebräuchlich ist.